Gründung / Geschichte

 

1) Unsere Initiative pro concilio e.V. ist ein spätes Kind des Zweiten Vatikanischen Konzils. Die Idee wurde in den turbulenten Wochen nach dem 25. Januar 2009 geboren - dem Tag, an dem der 50. Jahrestag der Ankündigung eines Konzils durch Papst Johannes XXIII. in der Basilika St. Paul vor den Mauern gefeiert wurde und gleichzeitig die Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe der Piusbruderschaft, darunter der Holocaust-Leugner Williamson, durch Papst Benedikt XVI. in aller Welt für Entsetzen sorgte. Für viele engagierte katholische Christen stellte sich die Frage, ob sie sich mit dieser Kirche noch identifizieren können.

2) Doch einige, deren jahrzehntelanges Bemühen, aus dem Geist des Zweiten Vatikanums als Christ in ihrer Kirche zu leben und zu wirken, und deren geduldiges Warten auf amtskirchlich initiierte Neuerungen noch nicht in endgültige Resignation umgeschlagen war, sahen sich angesichts der rückwärtsgewandten Entwicklungen im Innersten motiviert, "jetzt erst recht" den auch von anderen gelegten Faden einer Erneuerung der Kirche mit aller Entschiedenheit wieder aufzunehmen.

3) Am 19. Oktober 2009 traf sich zum ersten Mal eine Vierergruppe, der zwei Frauen und zwei Männer angehörten. Nach entsprechenden Vorbereitungen wurde die Initiative pro concilio aus der Taufe gehoben. Das Leitungsteam unserer Initiative, die inzwischen als eingetragener Verein firmiert, hat als Logo ein geöffnetes Fenster gewählt. Es soll an Papst Johannes XXIII. erinnern, der die Fenster der Kirche für ein "Aggiornamento" (= "Verheutigung") weit öffnen wollte. Frischen Wind braucht es auch heute, um eine wirkliche Erneuerung der Kirche in Gang zu setzen.

4) Die Kirche der Zukunft, wie wir sie uns vorstellen, hat in den Anfängen der Kirche ihr Vorbild. Sie knüpft an den Erfahrungen der ersten christlichen Generationen an. Ihre wesentlichen Kennzeichen sind: Glaubwürdigkeit, Konfliktfähigkeit, Geschwisterlichkeit, Option für die Armen, Vielfalt der Formen und Liturgien, Teilhabe aller Getauften am kirchlichen Amt, überschaubare Gemeindeeinheiten, Gleichstellung der Geschlechter, Dezentralisierung und ökumenische Weite. Die Kirche der Zukunft ist eine sichtbar geeinte Christenheit in versöhnter Verschiedenheit. Sie ist "ecclesia semper reformanda".

5) Wir wollen mit unseren Visionen und Positionen, mit unseren Anliegen und Reformvorschlägen, die wir in langen Wochen intensiv diskutiert haben und die in dieser Plattform formuliert sind, Impulse geben, damit Bewegung spürbar wird und konkrete Reformen und geistliche Aufbrüche möglich werden.

6) Wir wollen dies mit unserem eigenen Profil tun. Dabei suchen wir den Kontakt und die Zusammenarbeit mit anderen Reformbewegungen. Wir gehen realistisch davon aus, dass uns ein langer Weg bevorsteht. Den zu erwartenden Schwierigkeiten schauen wir gefasst ins Auge. Auch wenn uns Steine in den Weg gelegt werden: Wir werden nicht aufgeben. Denn "die Liebe Christi drängt uns. . ." (2 Kor 5,14). Der Glaube an ihn, den Gekreuzigten und Auferstandenen, trägt uns. Seiner Gegenwart sind wir gewiss. Sein Geist wird uns führen.

(Quelle: Vorwort der "Plattform")

PDF: Zeitungsartikel anlässlich der Gründung der Initiative pro concilio.