Kommentar

 

Fülle in der Leere

In der Erklärung „Fülle in der Leere: Was uns die Ostererfahrungen 2020 sagen“ beschreibt die Initiative „Ordensfrauen für Menschenrechte“ Erfahrungen, die Ordensfrauen in Zeiten der Corona-Krise in Bezug auf das Verständnis von Eucharistie und Amt gemacht haben. Sie sind ein Beispiel dafür, Defizitäres in der Kirche spirituell zu reflektieren, um daraus kreativ Neues zu leben. Was ist ihr Kernanliegen? In den Kar- und Ostertagen waren erstmals keine Eucharistiefeiern mit externen Zelebranten möglich. Zunächst entstand Leere durch den Wegfall des Vertrauten, danach Raum für das gemeinsame Suchen nach neuen Formen. Als Gemeinschaft, deren spirituelle Leitung der Priorin/Oberin zusteht (nicht aber der Vorsitz bei der Eucharistie!), hätten sie schmerzhaft die Abhängigkeit von einem geweihten Mann erfahren, wenn es um die Feier der Eucharistie geht. Diese Verlusterfahrung stellte zentrale Fragen an ihr Eucharistieverständnis. Ist die Eucharistie eine gemeinsame Mahlfeier oder ein exklusives Geschehen, das dem geweihten Priester vorbehalten ist? Wie ernsthaft wird ‚communio‘ als zentral für die Eucharistiefeier gesehen? Kann nicht vieles andere auch wirksames Zeichen der Gegenwart Gottes sein, wenn es in uns persönlich oder in unserer Gemeinschaft auf Resonanz trifft? Braucht es nicht eine Übersetzungsarbeit liturgischer Texte in die heutige Sprachwirklichkeit der Menschen, mehr persönliche und verständliche als standardisierte und formalisierte Antworten? Das geltende kirchliche Amtsverständnis zementiere ungute Machtverhältnisse und das auf Kosten des Heilsgeschehens für alle Menschen. So gestalteten sie aus der Not Mahlfeiern, haben Brot und Wein geteilt, darin Jesus Christus als gegenwärtig erlebt und erfahren, wie der Geist des Auferstandenen dennoch unter ihnen spürbar und wirksam war, Erfahrungen geistlicher Fülle in der verordneten Leere. Die Gedanken der Ordensfrauen sind auch Teil der Reformforderungen unseres Projektes ‚Konzil von unten‘. Daher wissen wir uns mit den Ordensfrauen solidarisch.

Karl Schneiderhan, Rottenburg

 

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Initiative pro concilio e.V.

Reformgruppe in der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Über uns

+ Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff   *29.03.1953 + 18.07.2020

Die Initiative pro concilio e.V. trauert um Eberhard Schockenhoff, der am 18. Juli an den Folgen eines Sturzes verstorben ist. Mit Prof. Schockenhoff verlieren wir einen überaus engagierten Mitstreiter für unser Anliegen, die Kirche mit vielen notwendigen Reformen im Geiste des Zweiten Vatikanischen Konzils zu erneuern. Er war ein gefragter und kompetenter Experte auf verschiedenen Gebieten der kirchlichen Lehre, der Theologie, der Ethik und der gelebten Praxis der Gläubigen. Insbesondere im Bereich der Sexualmoral versuchte er, biblische und christliche Kernaussagen mit heutigen humanwissenschaftlichen Erkenntnissen in Einklang zu bringen.

Prof. Schockenhoff hatte zugesagt, auf dem am 30. Oktober 2021 stattfindenden Konzilstag in Rottenburg das Hauptreferat zu halten. Wir werden ihn sehr vermissen und alles tun, damit seine Anliegen auch in Zukunft Gehör finden werden.

Mit seiner Familie, mit der wir eng verbunden sind (sein Bruder Martin ist Mitglied im Leitungsteam von pro concilio), wissen wir ihn in Gott geborgen. Am 24. Juli, dem Tag seines Requiems im Freiburger Münster und der Beisetzung im kleinen Kreis werden wir ihm und seiner Familie in großer Dankbarkeit nahe sein.

Aktuell

Ungeheuerlich und selbstzerstörerisch - Neues (Altes) aus Rom

Zum neuen Dokument der vatikanischen Kleruskongregation.

„Beitrag zur Selbstzerstörung: Vatikan bremst Laien weiter aus." So betitelt die renommierte Katholische Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“ (CiG) das neue Dokument der vatikanischen Kleruskongregation.

„Ungeheuerlicher Versuch Roms, die Kirche wieder vorkonziliar zu machen“. Kommentar der mit uns befeundeten Kirchenvolksbewegung ‚Wir sind Kirche‘.

Wir schließen uns beiden Einschätzungen vollumfänglich an und sind ebenso entsetzt.

Zum Arikel in CIG

Ein „durch und durch klerikales Papier“ so der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller. „Das Papier beantwortet Fragen von heute mit Antworten von gestern“. ‚Wir sind Kirche‘ bezeichnet das Dokument als „ungeheuerlichen Versuch Roms, die Kirche wieder vorkonziliar zu machen“. Der Tübinger Theologe Albert Biesinger: „ein Beitrag zur Selbstzerstörung der Kirche“, „es ist arrogant, ohne vorherige breite Konsultation mit den Bischofskonferenzen weltweit über Perspektiven der Gemeindeentwicklung Vorgaben machen zu wollen“.

Nein, eine solch klerikalistische, selbstherrliche, gerontokratische, sklerosierte Kirche hat im Europa des 21. Jahrhunderts und mittelfristig auch weltweit keine Zukunft mehr, ihre Zeit ist abgelaufen. Sogar die Mehrheit der deutschen Bischöfe ist zurecht entsetzt.

Bischof Bode in katholisch.de

Wir von der ‚Initiative pro concilio‘ möchten zusammen mit anderen Reformbewegungen und unserer Aktion „Konzil von unten“ diesem vorgestrigen Kirchenkonzept von der Basis her ein zeitgemäßes entgegensetzen und rufen dazu auf, sich uns anzuschließen.

 

Die Aktion ist im November 2019 mit drei Auftaktveranstaltungen in Stuttgart, Ravensburg und Heilbronn gestartet.

Es folgen weitere Einzelveranstaltungen in Kirchengemeinden und Dekanaten.

Ab Mai 2020 gibt es einen Newsletter der Aktion "Konzil-von-unten".

Newsletter 'Konzil von unten'

Es gibt Unterstützerlisten für Kirchengemeinden und Verbände sowie für kirchliche Gruppieren aller Art.

Weitere Informationen unter:

www.konzil-von-unten.de

Konzil von unten: Konzilstag vom 07.11.2020 auf den 30.10.2021 verlegt!

Die Corona-Krise macht auch vor unserer Aktion 'Konzil von unten' nicht Halt. Schweren Herzens mussten auch wir unsere Planung ändern. Der für 07.11.2020 geplante Konzilstag in Rottenburg wurde auf den 30.10.2021 verlegt, ebenfalls in Rottenburg. Zum Wesentlichen unserer Aktion gehört der Basisbezug, alles soll letztlich von den Kirchengemeinden und Verbänden sowie kirchlichen Gruppierungen ausgehen. Die Aktion braucht deshalb die Kirchengemeinderäte und Verbandsgremien, sonst wird sie ihrem Anspruch nicht gerecht. An ein normales Arbeiten der im März 2020 neu gewählten Kirchengemeinderäte sowie der Verbandsgremien ist vor September 2020 nicht zu denken - wenn überhaupt. Ein Konzilstag mit Abstandsregeln macht wenig Sinn. Wir bitten für die Verlegung um Verständnis. Evtl. findet am 07.11.2020 ein "kleiner Konzilstag" in Stuttgart statt - als nochmalige Auftaktveranstaltung. Wir informieren hierüber zu gegebener Zeit noch. Im Frühherbst 2020 gehen wir nochmals auf die Kirchengemeinderäte und Verbände zu.