Kommentar

Kirchenspaltung?

Es gibt im Reformprozess der Kirche Blockierer. Und die sitzen an den Schaltstellen – leider. Eine Minderheit unter den deutschen Bischöfen – voran Kardinal Woelki – versucht mit allen Mitteln den Synodalen Weg und alle Reformforderungen zu torpedieren und die Kirche in ihrer althergebrachten Form zu zementieren. Da werden „Vollmachten“ geltend gemacht, dazu noch – theologisch unseriös – mit dem Nimbus „lehramtlicher Unfehlbarkeit“ versehen, da wird vor einer „deutschen Nationalkirche“ gewarnt, obwohl unter dem Reformstau die ganze Weltkirche leidet. Alles soll eben so bleiben wie es ist. Die Argumente sind fadenscheinig und widersprüchlich. Hinter den Kulissen wird dann noch dem römischen Machtapparat eingeflüstert und derselbe instrumentalisiert, mit immer neuen Papieren die deutsche Kirche und sämtlich Reformforderungen zu blockieren.

Die Kirche führt sich mit ihrem systemimmanenten Problem – Klerikalismus genannt – immer weiter in die Sackgasse. Eine Kirchenspaltung drohe, sagen die Blockierer. Und merken nicht, dass die Kirchenspaltung von ihnen selbst ausgeht und betrieben wird.

Leider artikuliert sich nur eine Minderheit der deutschen Bischöfe mutig. Die Bischöfe Bätzing, Bode und Overbeck z.B.. Die große Mehrheit jedoch schweigt und möchte Harmonisierung, hat Angst vor Kirchenspaltung. Man sollte sich nicht täuschen: Die Kirchenspaltung ist im vollen Gang: durch immer mehr zunehmende Austritte aufgrund der Blockade von oben. Es ist zu hoffen, dass mehr Bischöfe sich mutiger artikulieren und die Zeichen der Zeit erkennen, darunter auch der unsrige. Ihnen scheint nicht bewusst zu sein: Harmonisieren und beschwichtigen und vertrösten beschleunigt die Kirchenspaltung. Immer mehr Kirchenmitglieder, auch im inneren Kern der Kirchengemeinden, sitzen auf gepackten Koffern. Das ist unsere eindeutige Erfahrung bei Gesprächen in Kirchengemeinden. Die Bude brennt!

In den nächsten zwei Jahren schließt sich für unsere Kirche ein Fenster, sie steht an einem Scheideweg: Ohne Reformen wird sie innerhalb ein bis zwei Generationen zur Sekte schrumpfen und der christliche Glaube wird sich andere Gefäße suchen. Noch haben wir Hoffnung. Unser ‚Konzil von unten‘ soll dem Ausdruck verleihen.

03.10.2020 Albrecht Storz

 

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Initiative pro concilio e.V.

Reformgruppe in der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Über uns

Die Kirchen werden sich halbieren! Veranstaltung am 14.11.2020

Am 14.11.2020 fand in Stuttgart die Veranstaltung "Halbieren sich die Kirchen? Projektion 2060" statt mit einem Vortrag von Prof. Raffelhüschen, Freiburg, der mittels einer empirischen Studie diese Projektion vorgenommen hat.

Bis 2060 werden sich die Mitgliederzahlen der Kirchen in Deutschland halbieren, dann wird nur noch ein Drittel der Bevölkerung einer Kirche angehören, so die empirische Studie von Prof. Raffelhüschen "Projektion 2060". Die Corona-Pandemie könnte diese Entwicklung noch beschleunigen. Besonders alarmierend: Das Maximum der Kirchenaustritte findet bei jungen Erwachsenen vor der Familiengründung statt. Die Ursachen sind teils demografisch, teils allgemeiner gesellschaftlicher Natur, aber teils auch selbst verursacht durch den schon lange anhaltenden Reformstau.

Die Veranstaltung wurde per Video aufgezeichnet und kann hier angeschaut werden:

Vortrag Prof. Raffelhüschen 14.11.2020 in Stuttgart: "Halbieren sich die Kirchen? Projektion 2060"

Das Video ist nicht abzuspeichern, Kommentare und Bewertungen sind nicht möglich. Jedoch kann der Link gerne weiterverbreitet werden. Auch kann diese Website gerne weiterverbreitet und das Video so angeklickt werden.

 

Das Leitungsteam der ‚Initiative pro concilio e. V.‘ hat nach dem Vortrag von Prof. Raffelhüschen und der sich anschließenden Diskussion folgendes Fazit gezogen:

Bis 2060 werden sich die Mitgliederzahlen der Kirchen halbieren, dann wird in Deutschland nur noch ein Drittel der Bevölkerung in einer Kirche angehören, so die empirische Studie von Prof. Raffelhüschen „Projektion 2060“. Die Corona-Pandemie könnte diese Entwicklung noch beschleunigen. Die Ursachen sind teils demografisch, teils allgemein gesellschaftlicher Natur, aber teils auch selbst verursacht durch den schon lange anhaltenden Reformstau, der am deutlichsten in der Katholischen Kirche sichtbar ist.

Besonders alarmierend: Das Maximum der Kirchenaustritte findet bei jungen Erwachsenen vor der Familiengründung statt. Es lässt sich unschwer voraussehen, dass sich dieser Trend verstärken wird, wenn die heutigen Jugendlichen erwachsen werden.

Eine wesentliche Ursache ist (vgl. unser Positionspapier „Zentrale Forderungen“ Punkt 1): „Die Kirche hat es seit über 50 Jahren versäumt, geistig und geistlich, rational wie emotional den religiösen Anschluss an die moderne Welt- und Lebenserfahrung zu gewinnen“. Einige Glaubensaussagen, die in einem bestimmten historischen Kontext entstanden sind und entsprechend formuliert wurden, müssen auf den Prüfstand, müssen neu interpretiert oder ggf. aufgegeben werden. (Ein Beispiel: Der Kreuzestod Jesu als Sühne wirkendes Opfer).

Auch die Evangelische Kirche leidet unter demselben Mitgliederschwund, was gerne als Gegenargument gegen Reformen verwendet wird. Aber die Kirchen sind nicht direkt vergleichbar. Auch die Evangelische Kirche hat ihre Versäumnisse. Die Katholische Kirche hätte vermutlich eine größere Bindungskraft, die aber vom Reformstau konterkariert wird.

Welche Jugendlichen und welche jungen Erwachsenen sehen heute in der Kirche noch eine Heimat? Eine ganz kleine Minderheit. Es braucht Strukturreformen und neue Formen der Verkündigung, damit sich Jugendliche und junge Erwachsene wieder mehr mit Kirche identifizieren können. Und es braucht Geschlechtergerechtigkeit, die von heutigen (jungen) Menschen ganz einfach vorausgesetzt wird. Anders lässt sich der enorme Glaubwürdigkeitsverlust der Katholischen Kirche nicht beseitigen.

Ohne Kirchenreformen umfassender Art werden die Kirchenaustritte drastisch noch weiter zunehmen und die von Prof. Raffelhüschen prognostizierten Zahlen noch dramatischer ausfallen. Unsere Erfahrung aus Gesprächen in Kirchengemeinden ist, dass inzwischen auch viele aus dem Kern der Kirchengemeinden zunehmend Identifikationsprobleme haben und einen Austritt erwägen. Ein alarmierendes Zeichen, das empirisch noch gar nicht erfasst ist. Es ist für unsere Kirchenleitung höchste Zeit zu handeln, wie wir es in unserer Aktion „Konzil von unten“ fordern.

Ganz entschieden treten wir für die Einberufung eines neuen Weltkonzils ein. Denn nur ein Konzil (oder eine entsprechend vollautorisierte Weltsynode) kann grundlegende, systemverändernde Reformen beschließen.

02.12.2020 (WK, AS)

 

Die Aktion ist im November 2019 mit drei Auftaktveranstaltungen in Stuttgart, Ravensburg und Heilbronn gestartet.

Es folgen weitere Einzelveranstaltungen in Kirchengemeinden und Dekanaten.

Ab Mai 2020 gibt es einen Newsletter der Aktion "Konzil-von-unten".

Newsletter 'Konzil von unten'

Es gibt Unterstützerlisten für Kirchengemeinden und Verbände sowie für kirchliche Gruppieren aller Art.

Weitere Informationen unter:

www.konzil-von-unten.de

Konzil von unten: Konzilstag vom 07.11.2020 auf den 12.03.2022 verlegt!

Die Corona-Krise macht auch vor unserer Aktion 'Konzil von unten' nicht Halt. Schweren Herzens mussten auch wir unsere Planung ändern. Der für 07.11.2020 geplante Konzilstag in Rottenburg wurde zunächst auf den 30.10.2021 verlegt, nun abermals auf den 12.03.2022, ebenfalls in Rottenburg. Zum Wesentlichen unserer Aktion gehört der Basisbezug, alles soll letztlich von den Kirchengemeinden und Verbänden sowie kirchlichen Gruppierungen ausgehen. Die Aktion braucht deshalb die Kirchengemeinderäte und Verbandsgremien, sonst wird sie ihrem Anspruch nicht gerecht. An ein normales Arbeiten der im März 2020 neu gewählten Kirchengemeinderäte sowie der Verbandsgremien ist vor September 2021 nicht zu denken - wenn überhaupt. Ein Konzilstag mit Abstandsregeln macht wenig Sinn. Wir bitten für die Verlegung um Verständnis. Im Laufe des Jahres 2021 gehen wir nochmals auf die Kirchengemeinderäte und Verbände zu.